1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT 1935 - 2005 | 70 JAHRE WUPPERTALER GEWERKSCHAFTSPROZESSE | VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT # #
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Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse
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HISTORISCHER HINTERGRUND

Sozialistisches Milieu
Aufstieg NSDAP
Terrorphase 1933/34
Widerstand/Emigration
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Willy Veller (1896-1941); 1933 kurzfristig kommissarischer Polizeipräsident Wuppertals Willy Veller (1896-1941); 1933 kurzfristig kommissarischer Polizeipräsident Wuppertals
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Konzentrationslager Kemna in Wuppertal-Beyenburg (Juli 1933 bis Januar 1934)
Konzentrationslager Kemna in Wuppertal-Beyenburg (Juli 1933 bis Januar 1934)
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SA-Wachmannschaft des KZ Kemna, November 1933
SA-Wachmannschaft des KZ Kemna, November 1933
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Artikel in Rheinische Landeszeitung
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MACHTDURCHSETZUNG DURCH TERROR
 

Der Terror, den die Nationalsozialisten und besonders die SA ausübten, um politische Gegner auszuschalten und dadurch die durch Hitlers Kanzlerschaft gewonnene Macht zu stabilisieren, war in Wuppertal besonders grausam und systematisch.

Prägten am Abend des 30. Januar 1933 noch antifaschistische Demonstrationen das Stadtbild von Barmen und Elberfeld, so fand einen Tag später ein Fackelzug der SA statt - durchgesetzt mit Hilfe der Schutzpolizei, die ihre Neutralität aufgab und offen Partei für die NSDAP ergriff. In Barmen und Elberfeld kam es trotzdem zu heftigen Auseinandersetzungen mit Anhängern der Arbeiterparteien.

Nach dem Brand des Reichtags am 28. Februar 1933 wurden per Notverordnung die Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt, und wie im ganzen Reich begann auch in Wuppertal die systematische Verfolgung der Angehörigen des sozialistischen Milieus. In der Stadt erfasste die erste Verhaftungswelle etwa 350 bis 400 politische Gegner, zumeist Kommunisten. Der massenhaften Anwendung der ?Schutzhaft? genannten Freiheitsberaubung durch Polizei und NS-Verbände folgten blutige, zum Teil auf offener Straße verübte Morde der SA. Angefangen mit dem Elberfelder Kommunisten Friedrich Born am 1. März fanden so bis zum Sommer 1933 mindestens 18 Wuppertaler einen gewaltsamen Tod, darunter der Reichsbanner-Aktivist Oswald Laufer.
Hinzu kamen die ungezählten Folteropfer, die in den Kellern der SA-Heime zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Dabei traf der Terror das ganze Spektrum des sozialistischen Milieus mit Sozialdemokraten und Kommunisten.

Die neuen Machthaber versuchten auch die wirtschaftlichen Existenzbedingungen ihrer Gegner zu zerstören. Der Staatsapparat, die öffentlichen Betriebe und die Krankenkassen wurden systematisch von republiktreuen Beamten, Angestellten und Arbeitern ?gesäubert?; bis zum August 1933 wurden allein von der Polizei 2.400 Personen überprüft. In den Industriebetrieben kam es auf Druck der Nationalsozialistischen Betriebszellen Organisation (NSBO) zu Entlassungen von politisch aktiven Arbeitern. Federführend waren dabei nicht staatliche Organe, sondern die Nachrichtendienste der NS-Organisationen NSDAP, NSBO, SA und der Sicherheitsdienst der SS (SD).

Mit der Ernennung des SA-Brigadeführers Willy Veller zum Polizeipräsidenten in Wuppertal verstärkte sich im Juli 1933 die Repression. Mit der kommissarischen Leitung der Politischen Polizei betraute Veller den Leiter des SA-Nachrichtendienstes Sturmbannführer Hans Pfeiffer. Pfeiffer hatte schon 1931 begonnen, eine umfangreiche Kartei über die politischen Gegner anzulegen, die weitaus umfangreicher war als die Unterlagen der Politischen Polizei, weil sie sich auch auf Anhänger der Weimarer Republik erstreckte, die von der Polizei nicht beobachtet worden waren. Unter Pfeiffers Führung entwickelte sich die Politische Abteilung der Wuppertaler Kriminalpolizei, die spätere Gestapo, zu einem ausführenden Organ des SA-Nachrichtendienstes.

Zeitgleich mit der Übernahme der Polizeigewalt richtete die SA mit Unterstützung der Regierung in Düsseldorf und anderer staatlicher Institutionen in einem leer stehenden Fabrikgebäude zwischen Oberbarmen und Beyenburg ein Konzentrationslager ein. Das KZ Kemna wurde neben dem KZ Oranienburg bei Berlin zum Inbegriff des NS-Terrors in Preußen.
Die Wachmannschaft des Lagers unter dem Kommando von Obersturmbannführer Alfred Hilgers war aus SA-Männern aus dem Bergischen Land zusammengesetzt. Gemeinsam mit der Politischen Polizei machten sie aus dem Lager Kemna die größte Folterkammer für politische Gefangene im Regierungsbezirk Düsseldorf. Bis zur Entmachtung der SA-Clique um Veller im Dezember 1933 waren politische Gegner in Wuppertal ?vogelfrei? und der ungezügelten Gewalt schutzlos preisgegeben.
Im Januar 1934 wurde das Lager Kemna aufgelöst, und die letzten rund 200 Gefangenen wurden in die Moor-Konzentrationslager im Emsland überstellt. Gegen zahlreiche ehemalige Insassen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage auf Grundlage der unter Folter gemachten Aussagen, was im Laufe des Jahres 1934 zu den ersten Massenprozessen und langjährigen Haftstrafen führte.

Dass der ausgeübte Terror offenbar nicht die erhoffte einschüchternde Wirkung hatte, zeigt sich daran, dass ehemalige Kemna-Häftlinge an zentraler Stelle am Wiederaufbau der Widerstandsstrukturen 1934/35 beteiligt waren. So zum Beispiel Hans Dallmann, der jüngste Kemna-Häftling Karl Ibach und Ludwig Vorberg. Auch Kemna-Häftlinge, die 1934 zu Haftstrafen verurteilt worden waren, kehrten in den Widerstand zurück, wie zum Beispiel August Obermeier.

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